Strategischer Dialog in Jerusalem

Am vergangenen Donnerstag und Freitag trafen sich in Jerusalem Vertreter beider Länder zum ersten strategischen Dialog. (Quelle: Israel Government Press Office)

Jerusalem/Israel – Vielleicht naturgemäss, wurde es im Vorfeld nicht an die grosse Glocke gehängt: ein neuer “Strategischer Dialog zwischen Deutschland und Israel”. Während aufmerksamen Beobachtern bereits am Donnerstag der Hinflug aus Berlin nach Jerusalem aufgefallen war, erfolgte die Bekanntgabe erst nachdem die deutsche Delegation am Freitag Nachmittag ihren Rückflug angetreten hatte.

In Jerusalem fand vor dem jüdischen Wochenende der erste strategische Dialog zwischen Deutschland und Israel statt. Teilnehmer waren Vertreter der nationalen Sicherheits-Spitzen aus beiden Ländern, die jeweiligen Nationalen Sicherheitsberater und die Direktoren der Aussen- und Verteidigungsministerien, sowie die obersten Spitzen der Inland- und Auslandgeheimdienste.

In der Bekanntgabe durch die Pressestelle der Regierung Israels (Government Press Office – GPO) wird festgehalten, beide Länder verbänden die “einmalige Natur und der spezielle Charakter der Beziehungen”, sowie die sich aus diesen ergebende Verpflichtung zur Vertiefung dieser Beziehungen. Unter den breitgefächerten Themen stand aus israelischer Sicht naturgemäss die Rückkehr zum Iran-Deal an vordersten Stelle. Beide Seiten vereinbarten die Fortsetzung und Vertiefung des eingeleiteten Austausches in diesem Format.

Es dürfte nicht ganz zufällig gewesen sein, dass diese Gespräche ausgerechnet vor dem Wochenende stattfanden, als Israels Präsident zu einem Staatsbesuch aufbricht, anlässlich der 50. Wiederkehr des Olympia-Attentats in München. Die im Vorfeld entbrannte und buchstäblich in letzter Minute beigelegte Krise, die eine Teilnahme der Angehörigen der 11 ermordeten israelischen Sportler in Frage gestellt hatten. Eine weitere wichtige Rolle spielen sodann die sich in der möglicherweise entscheidenden Phase befindlichen Verhandlungen um eine Rückkehr zum Iran-Deal. Israels Übergangsregierung, die sich im Wahlkampf befindet, macht keinen daraus, dass sie ihre diplomatischen Bemühungen zur Verhinderung eines schlechten Deals gegenwärtig intensiviert.

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Über Thomas Morvay 219 Artikel
Der mit Sprache Bilder kreiiert Seit über 10 Jahren journalistisch tätig, vorwiegend zu Themen Israel und jüdisches Leben. Zuvor Korrespondent und Redaktioneller Mitarbeiter für die European News Agency, und seit geraumer Zeit als Blogger hier auf dieser Plattform. Davor war ich auch fleissig als Kommentator über die Plattform Disqus unterwegs, u.a. bei der Jerusalem Post oder die Neue Zürcher Zeitung. Inhaltlich mache ich keinen Hehl aus meiner Überzeugung, dass für mich die sog. Zwei-Staaten-Lösung - die ja wahl- und bezeichnenderweise auch schon ein Konzept für mehr als 2 Staaten war - eine in der westphälischen Ordnung (Henry Kissinger) verwurzelte und europazentrische Sichtweise - überholt resp. zumindest neu gedacht werden muss. Als Sprössling zweier Überlebenden der Schoa ist das, was man heutzutage Erinnerungskultur nennt, naturgemäss mein Thema. In diesen Zusammenhang gehört die Auffassung, dass man nach wie vor lieber tote Juden beweint, als dass man sich lebenden Juden - in Israel oder in der Diaspora - zuwendet, bekennt und mit ihnen solidarisiert. In dieser Hinsicht halte ich meinem Land, der Schweiz, vor, sich ihrer Verantwortung aus dem Zweiten Weltkrieg bis heute nicht gestellt zu haben. Da verkommt sogar die Diskussion über eine zentrale Gedenkstätte oder zu Raubkunst zur willkommenen Ablenkung vom Thema. Mitglied im Deutschen Verband der Pressejournalisten

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