Wenn die Gier regiert, hat der Anstand keine Chance!

Die geplanten Auftritte von Roger Waters in Krakau sind gemäss Medienberichten abgesagt worden. Dies, nachdem im vergangenen September ein öffentliches Schreiben des Pink Floyd-Gründers an die ukrainische Präsidentengattin auf dessen Website auftauchte. - ZUMAs135 20220925_ssa_s135_700 Copyright: Daniel DeSlover

Zürich – Das polnische Krakau hat bereits gezeigt, wie es geht, und den Auftritt von Judenhasser und Palästina-Fanboy Roger Waters verboten. Im Zürcher Hallenstadion, wo der ehemalige Pink Floyd-Frontmann ebenfalls auftreten soll, erklärt man, die Lage genau beobachten zu wollen. Für den aussenstehenden Beobachter stellt diese sich eher so dar, als dass die Geldgier noch immer diktiert, was der Anstand gebietet, und nicht umgekehrt.

Im kommenden Jahr ist der ehemalige Bandleader der Rockgruppe Pink Floyd wieder auf Tournee. Der in die Jahre gekommene Leader und Gitarrist macht allerdings, je älter er wird, nurmehr mit seinen gegen Israel gerichteten und an der Grenze zum Antisemitismus – auf welcher Seite dieser Grenze ist in erster Linie durch die Tagesform vorgegeben – von sich reden. „Unvergessen“ das Bild des schwebenden rosa Schweines mit Davidstern über der Bühne, von trauriger Berühmtheit die Ausfälle gegen Juden und dem Staat Israel in den Sozialen Medien: Roger Waters ist schon lange der Auffassung, die Verherrlichung der terroristischen Palästinenser sei die richtige Haltung zum antisemitischen Pendant. Seit Russlands Überfall auf die Ukraine ist dies auch noch mit einer degoutanten Putin-Verehrung gepaart, die ihresgleichen sucht.

Widerstand gegen das Gebahren regt sich seit geraumer Zeit. Eher öffentlichkeitswirksam, wie im Falle einer jüdischen Aktivistin beim deutschen TV-Sender WDR und dessen Leiter Tom Buhrow vor einigen Jahren, aber auch fernab der Scheinwerfer, was nur Eingeweihten – und seltener den aufmerksamen Beobachtern – bekannt ist. Als erstes Land hat Polen bereits im September die Auftritte Waters gestrichen, in verschiedenen deutschen Städten regt sich Ablehnung, so etwa in Frankfurt und München. Der Antisemitismus-Beauftragte des Landes Hessen Uwe Becker macht sich ebenso für eine Streichung des Konzerts in Frankfurt aus dem Kalender 2023 stark, und auch sein bayrischer Amtskollege Ludwig Spaenle tut dies für München.

Der 26. April 2023 ist in Israel und weltweit ein ganz besonderes Datum, im hebräischen Kalender ist es der 5. Iljar 5783. Es ist der 75. Jahrestag der Gründung des modernen Staates Israel, am Vortag gedenkt man den Gefallenen, und in der Vorwoche den Opfern der Schoa. Just an dem Vorabend dieses bedeutenden Feiertages ist Waters Auftritt im Zürcher Hallenstadion geplant. Widerstand formiert sich auch hierzulande. So hat die Gesellschaft Schweiz-Israel einen offenen Brief an die Zürcher Stadtoberen gerichtet, auch der jüdische, grünliberale Stadtpolitiker Ronny Siev kündigte im Lokal-TV und über sein Facebook-Konto konkrete Schritte zum Zeichen der Opposition an.

Derweil verhält sich das Hallenstadion, wo das Konzert stattfinden soll, abwartend. In einer Medienmitteilung wurde erklärt, man sei sich der Haltung von Waters bewusst und beobachte „sehr genau“ das Verhalten des Künstlers. „Boykotte“ seien jedoch selten ein geeignetes Mittel in diesem Kampf, und wenig zielführend. Fast tönt dies so, als ob sich die Verantwortlichen nicht entscheiden könnten, was für sie wichtiger sei, das Gieren nach Geld oder die Moral. Das ist mindestens unrühmlich, wenn nicht gar abscheulich, kann doch das Hallenstadion eigentlich ganzjährig auf volles Haus zählen. Sei es bei Konzerten, Messen oder Sportanlässen. Dass man ein antisemitisches Ekelpaket hofiert, ist dabei schwer nachzuvollziehen. Es ist zu hoffen, dass Zürich, das sich gerne mit Lorbeeren schmückt, letzten Endes richtig entscheiden wird!

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Über Thomas Morvay 220 Artikel
Der mit Sprache Bilder kreiiert Seit über 10 Jahren journalistisch tätig, vorwiegend zu Themen Israel und jüdisches Leben. Zuvor Korrespondent und Redaktioneller Mitarbeiter für die European News Agency, und seit geraumer Zeit als Blogger hier auf dieser Plattform. Davor war ich auch fleissig als Kommentator über die Plattform Disqus unterwegs, u.a. bei der Jerusalem Post oder die Neue Zürcher Zeitung. Inhaltlich mache ich keinen Hehl aus meiner Überzeugung, dass für mich die sog. Zwei-Staaten-Lösung - die ja wahl- und bezeichnenderweise auch schon ein Konzept für mehr als 2 Staaten war - eine in der westphälischen Ordnung (Henry Kissinger) verwurzelte und europazentrische Sichtweise - überholt resp. zumindest neu gedacht werden muss. Als Sprössling zweier Überlebenden der Schoa ist das, was man heutzutage Erinnerungskultur nennt, naturgemäss mein Thema. In diesen Zusammenhang gehört die Auffassung, dass man nach wie vor lieber tote Juden beweint, als dass man sich lebenden Juden - in Israel oder in der Diaspora - zuwendet, bekennt und mit ihnen solidarisiert. In dieser Hinsicht halte ich meinem Land, der Schweiz, vor, sich ihrer Verantwortung aus dem Zweiten Weltkrieg bis heute nicht gestellt zu haben. Da verkommt sogar die Diskussion über eine zentrale Gedenkstätte oder zu Raubkunst zur willkommenen Ablenkung vom Thema. Mitglied im Deutschen Verband der Pressejournalisten

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