Wie der Mossad vorzeitig den Sechs-Tage-Krieg entschied

Munir Redfas MiG-21, Operation Diamond, im Israel Air Force Museum in Hatzerim

Die wenigsten werden sich noch daran erinnern: am 16. August 1966 flog der Pitot Munir Redra eine irakische Mig-21 hunderte von Kilometern über feindlichem Gebiet, um mit fast leeren Treibstofftanks auf der israelischen Luftwaffen-Basis Hatzor zu landen. Es war dies der erfolgreiche Abschluss von «Operation Diamant» des Mossad.

Der Wikipedia-Beitrag beginnt mit zwei misslungenen Vorläufern: ein Agent des Mossad kontaktierte einen ägyptischen Luftwaffen-Offizier, um ihn mit USD 1 Millionen zu ködern. Der als Jean Thomas bekannt gewordene israelische Agent wurde von ihm verraten. Thomas, sein Vater und drei weitere Personen wurden verhaftet und zum Tode verurteilt, und im Dezember 1962 gehängt. Bei einem weiteren Versuch, irakische Piloten zum Überlaufen zu ermuntern, waren die Agenten gezwungen, die beiden irakischen Piloten, die sie zu rekrutieren versuchten, nach deren Weigerung zu kooperieren «zeitweise ruhig zu stellen».

Von Erfolg wurde der israelischen Geheimdienst erst gekrönt, als sie 1964 von einem irakischen Juden namens «Yusuf» in Teheran kontaktiert und informiert wurden, ein maronitischer Christ wäre zur Flucht bereit. Sein Name: Munir Redfa. Redfa war überzeugt, dass seine christlichen Wurzeln sein militärisches Vorwärtskommen behinderten. Er war auch besorgt, nachdem er gezwungen war, irakische Kurden anzugreifen. Aus diesen Gründen sei Redfa bereit, den Irak zu verlassen. Er verlangte, als Preis für seine Kooperation, dass seine Familie ebenfalls für die Flucht unterstützt wurde.Letztere gelangten über den Iran nach Israel, während Radfas Frau bei einem Ferienaufenthalt in Paris, mit einem israelischen Pass ausgestattet, floh.

Redfa selbst war einer von lediglich fünf irakischen Militärpiloten, welche an der Mig-21 ausgebildet waren. Nachdem er seine Familie in Sicherheit wusste, stieg er ins Cockpit seiner Maschine und steuerte über Syrien und Jordanien die Hatzor Luftwaffenbasis in Israel an. Als die Jordanier nachfragten, versicherten die Syrer, Redfa befände sich auf einer Trainings-Mission. So erreichte er ungehindert den israelischen Luftraum. Meiner Überzeugung nach waren die Erfahrungen aus dieser Episode wesentliche Mosaiksteinchen, in der israellischen Beurteilung der Kräfteverhältnisse und der Vorbereitung des Sechs-Tage-Krieges. Doch gehört es – leider – zur Tragik der weiteren Entwicklung des strategischen Denkens der Israeli, dass sie diese Beurteilung nicht entsprechend weiter entwickelten.

Der jüdische Staat hat dafür teuer bezahlen und bitter büssen müssen, als die Araber 6 Jahre später erneut einen Krieg entfesselten: auch wenn selbst heute noch nicht alle Einzelheiten jener Tage vor Jom Kippur des jüdischen Jahres 5734 öffentlich bekannt sind, wissen wir heute, dass die kollektive zivile und miltärische Führung des Landes den Arabern schlichtweg nicht zutraute, eine so hochkarätige und ausgefeilte Taktik zu entwickeln und durchzuführen. Hochmut kommt immer vor dem Fall!

Kleiner, persönlicher Nachtrag: in meinem Kopf tauchen plötzlich Bilder auf, von einem verängstigten Jungen, im Frühstücksraum eines Londoner Hotels nördlich vom Hyde Park, bei einem seiner ersten Reisen in jene Stadt, die ihn über Jahrzehnte so fasziniert hatten. Diese Faszination ist leider schon lange verflogen – nicht nur, weil das London jener Zeit, wie auch meine, an sich unbeschwerte Jugend, definitiv vergangen sind!

Dieser Beitrag wurde aktualisiert durch Thomas Morvay, vor 3 Wochen ago

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Der mit Sprache Bilder kreiiert Seit über 10 Jahren journalistisch tätig, vorwiegend zu Themen Israel und jüdisches Leben. Zuvor Korrespondent und Redaktioneller Mitarbeiter für die European News Agency, und seit geraumer Zeit als Blogger hier auf dieser Plattform. Davor war ich auch fleissig als Kommentator über die Plattform Disqus unterwegs, u.a. bei der Jerusalem Post oder die Neue Zürcher Zeitung. Inhaltlich mache ich keinen Hehl aus meiner Überzeugung, dass für mich die sog. Zwei-Staaten-Lösung - die ja wahl- und bezeichnenderweise auch schon ein Konzept für mehr als 2 Staaten war - eine in der westphälischen Ordnung (Henry Kissinger) verwurzelte und europazentrische Sichtweise - überholt resp. zumindest neu gedacht werden muss. Als Sprössling zweier Überlebenden der Schoa ist das, was man heutzutage Erinnerungskultur nennt, naturgemäss mein Thema. In diesen Zusammenhang gehört die Auffassung, dass man nach wie vor lieber tote Juden beweint, als dass man sich lebenden Juden - in Israel oder in der Diaspora - zuwendet, bekennt und mit ihnen solidarisiert. In dieser Hinsicht halte ich meinem Land, der Schweiz, vor, sich ihrer Verantwortung aus dem Zweiten Weltkrieg bis heute nicht gestellt zu haben. Da verkommt sogar die Diskussion über eine zentrale Gedenkstätte oder zu Raubkunst zur willkommenen Ablenkung vom Thema. Mitglied im Deutschen Verband der Pressejournalisten

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