Ersten – notwendigerweise mit Vorsicht und Zurückhaltug zu behandelnden – Berichten zufolge, hat Israel heute zumindest Teile der Führung der Terrororganisation Hamas in Katar angegriffen und ausgeschaltet. Ob es eine Reaktion auf den gestrigen Anschlag in Jerusalem ist, gilt als wahrscheinlich, aber derzeit noch in keiner Weise gesichert. Erhärtet ist bisher lediglich, dass es einen Angriff, ausgeführt mit israelischen Flugzeugen, auf ein Ziel in Doha gegebent hat. Zur Identität der Ziele, oder gar der nunmehr Getöteten, gibt es keine gesicherten Erkenntnisse bisher, die öffentlich wären.
Diese Entwicklung ist, das lässt sich klar festhalten, alles andere als trivial. Zum einen, weil in der Nähe von Doha sich eines der grössten Luftwaffenbasen der U.S. Air Force in der Region befindet. Basierend darauf wird man davon ausgehen können, dass die Vereinigten Staaten zumindest in Teile des geplanten Angriffs eigeweiht gewesen sind. Üblich ist, dass es, während der Angriff schon läuft, einen Anruf zwischen politischen, und in diesem Fall wohl auch den militärischen Liaisonstellen gibt. Das lässt sich dann gegen aussen noch immer als «plausible deniability» verkaufen. Entscheidend dürfte in der Einschätzung von beiden gewesen sein, dass die Nützlichkeit der Katari, als Überbringer von Nachrichten und als Vermittler in die arabische Welt – sich in den letzten Jahren wohl etwas zu erschöpfen begann, resp. dass ein Militärschlag auf katarisches Territorium sich nicht signifikant negativ auf diese Nützlichkeit auswirken werde.
Dennoch gilt es festzuhalten, dass die Ausschaltung der politischen Spitze der Hamas wohl bedeutet, dass man Kenntnis darüber hat, die in der Öffentlichkeit wohlbekannten Personen hätten sich in ihrer Nützlichkeit für «den Westen» erschöpft, oder zumindest soweit relativiert, dass mit ihrem «Wegfall» nicht negative Rückwirkungen zu erwarten sind. Alternativ könnten Erkenntnisse vorliegen, welche ehe schon auf eine Kräftverschiebung in der Führungsriege der Hamas hindeuteten. Nicht zu leugnen ist jedoch, wie heikel, und wohl auch fehleranfällig, solche Einschätzungen sein können.
Es ist mit grösster Zurückhaltung, aber ich möchte dennoch etwas zu den verbliebenen Verschleppten fragen: was weiss man über ihr Schicksal und ihr Verbleiben? Dass solcherlei Fragen – und Erkenntnisse – in die Entscheidungsprozesse hereinspielen, ist mehr als wahrscheinlich. Die möglichen Antworten auf die gestellten Fragen verheissen leider nichts Gutes. Dennoch: der Schlag gegen die politische Führung der Hamas wirkt auch auf die Entscheidungsträger des militärischen Arms der Terrorgruppierung. Für sie gilt, dass die «Politiker» ihnen den Rücken freihalten, gerade in der arabischen Welt, von wo auch der grösste ihrer Finanzen herkommt. Die Denkprozesse dieser Leute zu beeinflussen, das liegt sehr wohl in Israels Interesse!
Nicht mehr als eine Randnotiz wert, scheint mir die gerade jetzt veröffentlichte Reaktion des UNO-Generalsekretärs zu sein: Antonio Guterres – den man zurückhaltend wohl als keinen grossen Freund Israels bezeichnen muss – liess verlauten, der israelische Angriff in Doha sei als eine «flagrante Verletzung der Souveränität und territorialen Integrität» Katars zu werten. An Lächerlichkeit und Irrelevanz dieses Menschen wohl kaum zu überbieten!
Dieser Beitrag wurde aktualisiert durch Thomas Morvay, vor 3 Monaten ago







Be the first to comment