Nie vergessen – München 1972

Die Gedenktafel an der Connollystraße 31 im Olympischen Dorf in München im Juni 2012 Credit: Wikimedia/High Contrast; Creative Commons Attribution 3.0 Germany Lizenz

In den Morgenstunden des 5. September 1972 begann die Geiselnahme der israelischen Olympiamannschaft, welche knapp 24 Stunden danach in einer Katastrophe auf dem Flugfeld Fürstenfeldbruck endete. Alle 11 israelischen Geiseln waren tot, die überlebenden 3 Terroristen wurden später ausgetauscht. Es oblag anschliessend einer Mossad-Sondereinheit, allen Terroristen eine eindeutige Botschaft zu senden: nicht aus Rache, aber als Signal, dass Israel Angriffe auf seine Bürger weltweit bestraft.

Auf Seiten der Münchner Polizei war es eine Serie von Pannen, ausgelöst durch unprofessionelles Verhalten, mangels Ausbildung und Unbelehrbarkeit, motiviert aus Eitelkeit. Polizeipräsident Schreiber erlaubte weder eine Mitwirkung von Truppen des Bundesnachrichtendienstes, noch eine Mitsprache des angereisten Mossad-Chefs Zwi Zamir. Die Terroristen konnten sodann stundenlang am TV die Vorbereitungen zu einer Stürmung der Unterkunft der israelischen Mannschaft, live verfolgen, in all ihrem Dilettantismus: Polizisten mit gewöhnlichen Gewehren, in Zivilkleidung und Turnschuhen, klar sichtbar, da der Tatort nicht abgesperrt war. Und obschon rechtzeitig bekannt geworden war, dass die Anzahl der Terroristen weitaus grösser als angenommen war, fand keine Anpassung der Strategie auf dem Flugplatz Fürstenfeldbruck statt, wo sich die Scharfschützen gegenseitig im Schussfeld befanden.

Später wurden, bisher nicht widerlegbare, Vermutungen bekannt, Deutschland hätte sich auf einen “Deal” eingelassen, wonach die 3 überlebenden Terroristen freigepresst werden konnten, und im Gegensatz die PLO zugesichert hat, keine weiteren Anschläge in Deutschland zu verüben. Ein ähnlicher “Kuhhandel” wurde vor wenigen Jahren auch in der Schweiz bekannt, nach dem Attentat von 1970 auf Swissair-Flug 330, von Zürich nach Tel Aviv, über Würenlingen. Die Angreifer von München sollen ferner während der Vorbereitungen auf das Attentat logistische Hilfe von deutschen Neonazis erhalten haben. Und schliesslich ergaben sich Hinweise darauf, dass der heutige Präsident der Palästinensischer Autonomiebehörde, Mahmoud Abbas, für die Beschaffung der Geldmittel bei der Terrorgruppe “Schwarzer September” verantwortlich gewesen war.

Die 11 israelischen Sportler werden durch diese Erkenntnisse nicht wieder lebendig. Der Schmerz der Hinterbliebenen wird auch durch das Wissen darum, dass die Terroristen, mit Ausnahme von wenigen Einzelnen, sich bis an ihr Lebensende vor Verfolgung durch den Mossad nicht sicher fühlen konnten, nur wenig gemildert. Die Schande, dass die Ermordung von Juden, mitten in Deutschland, 27 Jahre nach der Schoah, das Internationale Olympische Komitee nicht dazu bewegen konnte, die Spiele vorzeitig zu beenden, wurde bis heute nicht getilgt. Deshalb: das Mindeste was man heute noch tun kann, tun muss, ist sich an die Opfer zu erinnern, ihrer zu gedenken. Möge die Erinnerung an sie für alle ein Segen sein.

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Über Thomas Morvay 198 Artikel
Der mit Sprache Bilder kreiiert Seit über 10 Jahren journalistisch tätig, vorwiegend zu Themen Israel und jüdisches Leben. Als Korrespondent und Redaktioneller Mitarbeiter für die European News Agency, und seit geraumer Zeit auch als Blogger hier auf dieser Plattform. Davor war ich auch fleissig als Kommentator über die Plattform Disqus unterwegs, u.a. bei der Jerusalem Post oder die Neue Zürcher Zeitung. Mitglied im Deutschen Verband der Pressejournalisten

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