Ich bin nicht religiös, war das sieben Jahrzehnte nicht, und ich werde auch in der achten Dekade damit nicht anfangen.
Ich habe Ihm bis heute nicht verziehen, dass ich die Freuden von Grosseltern nie erfahren durfte. Heute darf ich das so offen schreiben, ohne meinen Eltern weh zu tun. Und ich war schon lange der Meinung, es wäre eine billige Ausrede, dafür die Schuld dem Hobbymaler aus Braunau zu geben. Nein, das war Er, und Er muss sich dabei etwas gedacht haben – verd**** nochmal!
Ein Mann, der davon viel mehr verstanden hat, als es mir jemals gegeben sein wird: Rabbi Jonathan Sacks sagte, ein Anführer dürfe nie aufhören zu lernen, denn so würde man wachsen, und andere ermutigen, mit ihnen zu wachsen. Nun, auch wenn ich mir keinesfalls anmasse, andere führen zu wollen, das Lernen als lebenslange Verpflichtung verstand ich schon immer als Motor des Lebens. Oder vielleicht nicht das Lernen, aber das Erforschen, das Hinterfragen, um Erkenntnisse zu gewinnen das habe ich immer getan und tue es heute noch. Eines meiner liebsten Erinnerungen ist daher jener Sonntag-Nachmittag, als mein Vater mich plötzlich fragte: «Sag mal, dieses Informatik, die Computer, Soft- und Hardware – was ist das eigentlich?» Und dann sassen wir beide zusammen, bestimmt zwei Stunden lang – meine Mutter und meine Frau haben sich längst in ein anderes Zimmer begeben – und er fragte und ich erklärte, oder auch nicht, wenn er mich mit einer Frage überraschte, zu der ich die Antwort nicht wusste. Damit hat er mir geholfen, auch als erwachsener Mensch, weiter zu wachsen.
Es war auch Rabbi Sacks, der mir die Augen für den fundamentalen Unterschied öffnete zwischen Geschichte und Erinnerung. Dass es einen inneren Zusammenhang gibt zwischen «Was war?» und «Wer bin ich dann?» Dass Identität und die Verbindung unter den Generationen sowohl die tradierten Lebensweisheiten wie auch die Menschwerdung jedes Einzelnen beinhaltet. Und daher eine neue Perspektive öffnet dafür, dass Evolution nicht nur die atemberaubende Geschwindigkeit der Mehrung von Wissen alleine während unserer Lebzeiten ist, aber auch und gerade die infintesimal kleinen Schritte, mit denen die «Natur» sich mit uns und in uns verändert! Nur, wenn wir verinnerlichen, woher wir kommen, werden wir zur Erkenntnis gelangen, wohin wir gehen. Und dies Letztere ist nicht nur wichtig, weil das unser kleiner Beitrag ist zur Evolution, aber besonders auch, um uns die Augen und den Geist dafür zu öffnen, welchen Sinn dies alles macht. Denn, es ist uns zwar nicht gegeben immer zu erkennen, wohin unsere Reise geht, aber wir werden die Reise nur geniessen können, wenn wir wissen, woher wir kommen.
Dieser Beitrag wurde aktualisiert durch Thomas Morvay, vor 3 Wochen ago







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