Ein Attentat und das Medienecho

Jerusalem – Am heutigen Vormittag ereignete sich in Jerusalems Altstadt ein blutiger Terroranschlag, verübt durch einen Araber aus dem Problembezirk Shuafat, im Osten der Stadt. Die Opfer waren Juden, unbeteiligte Zivilisten und ihnen zur Hilfe eilende Sicherheitskräfte, wohl wahllos ausgesucht. Das einzige Kriterium dabei: ihre jüdische Identität. Einer starb noch am Tatort, die übrigen wurden veletzt ins Krankenhaus eingeliefert. Der Terrorist wurde durch die Sicherheitkräfte “neutralisiert” – das ist doch wohl bei einem Selbstmordattentat einkalkuliert.

Beim Opfer handelt es sich um einen Einwanderer, einen jungen Mann aus Südafrika, der als “lone soldier” nach Israel gekommen ist, und als Guide an der Klagemauer arbeitete. Seinen Namen gaben die Behörden schon kurz nach dem Anschlag bekannt, Eliyahu David Kay – möge die Erinnerung an ihn stets segensreich sein. Er wollte bald heiraten, nun muss ihn seine Familie zu Grabe tragen – was für eine grausame Tat, und was für ein sinnloser Tod!

(Quelle: Netzfund)

In der folgenden Bildstrecke will ich eine kleine, willkürliche Auswahl aus den deutschsprachigen Medienberichten, versehen mit einem jeweils kurzen eigenen Kommentar, präsentieren. Dabei liegt der Fokus, bewusst gesezt, auf der Schlagzeile und dem meist angefügten Titelbild: sie sind es, was der Betrachter als erstes sieht, und darauf basierend entsteht seine erste, instinktive Einschätzung – noch bevor er die Details kennt. Und wenn dies systematisch geschieht, kann man einerseits nicht mehr von Einzelfällen sprechen, dann hat es Methode. Und die Methode kommt auch dadurch verstärkt zum Tragen, dass in den Onlinemedien häufig die elektronisch vorliegenden Agenturberichte verwendet werden. Damit ist unvermeidbar eine Verstärkung erzeugt, welche dadurch entsteht, dass scheinbar unterschiedliche Quellen – welche sich aber ihrerseits aus den selben Quellen speisen – fast gleich lautende erste Eindrücke transportieren. Sehen Sie selbst:

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Über Thomas Morvay 220 Artikel
Der mit Sprache Bilder kreiiert Seit über 10 Jahren journalistisch tätig, vorwiegend zu Themen Israel und jüdisches Leben. Zuvor Korrespondent und Redaktioneller Mitarbeiter für die European News Agency, und seit geraumer Zeit als Blogger hier auf dieser Plattform. Davor war ich auch fleissig als Kommentator über die Plattform Disqus unterwegs, u.a. bei der Jerusalem Post oder die Neue Zürcher Zeitung. Inhaltlich mache ich keinen Hehl aus meiner Überzeugung, dass für mich die sog. Zwei-Staaten-Lösung - die ja wahl- und bezeichnenderweise auch schon ein Konzept für mehr als 2 Staaten war - eine in der westphälischen Ordnung (Henry Kissinger) verwurzelte und europazentrische Sichtweise - überholt resp. zumindest neu gedacht werden muss. Als Sprössling zweier Überlebenden der Schoa ist das, was man heutzutage Erinnerungskultur nennt, naturgemäss mein Thema. In diesen Zusammenhang gehört die Auffassung, dass man nach wie vor lieber tote Juden beweint, als dass man sich lebenden Juden - in Israel oder in der Diaspora - zuwendet, bekennt und mit ihnen solidarisiert. In dieser Hinsicht halte ich meinem Land, der Schweiz, vor, sich ihrer Verantwortung aus dem Zweiten Weltkrieg bis heute nicht gestellt zu haben. Da verkommt sogar die Diskussion über eine zentrale Gedenkstätte oder zu Raubkunst zur willkommenen Ablenkung vom Thema. Mitglied im Deutschen Verband der Pressejournalisten

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