Die bösen Geister einer vergangenen Epoche

Campus der Heinrich Heine - Universität Düsseldorf (Lizenz: imago-images; Copyright: Kai Kitschenberg)

Die Studentenschaft an einer deutschen Universität fordert einen Boykott israelischer Hochschulen. Als ich das heute Abend las, dachte ich an eine makabre Inszenierung. Leider ist es das nicht: es ist die erschreckende, bittere Wahrheit. Ich wollte glauben, dass die Studierenden irregeleitete junge Menschen sind, verführt von irgendwelchen dunklen «Mächtigen», und dass sie das so gar nicht meinen. Ich versuchte mir einzureden, dass sie halt an Geschichte nicht so interessiert sind, dass sie einfach rebellieren, wie sich die «Jungen» seit eh und je gegen ihre Eltern aufgelehnt haben. Ich war mir sofort im Klaren darüber, dass ich, stramm auf die 70 zugehend, nicht wegrennen kann – und grundsätzlich nicht will.

Meine Eltern kamen mir in den Sinn: sie waren damals Heranwachsende, gerade einmal junge Erwachsene, als die Hölle über sie hereinbrach. Sie sind geblieben, wollten nicht glauben, dass selbst die pessimistischsten Annahmen in keinster Weise dem entsprachen, was sie dann zu durchleben gezwungen waren. Sie haben beide mit viel Glück überlebt – im Gegensatz zu den sechs Millionen. Und dass ich alleine schon deshalb die Pflicht habe, meine Stimme zu erheben. Weil ich mich sonst nie mehr morgens im Rasierspiegel würde anschauen können.

Das darf nicht sein: ausgerechnet in Deutschland meinen irgendwelche Idioten, einen Boykottaufruf gegen Juden starten zu müssen. Junge Menschen, nicht in irgendeiner Gosse, in ihrer Armut leicht verführbar durch die bösen, manipulierenden A****-löcher. Das sind aber nicht welche «aus der Gosse»! Es ist die angebliche «Intelligenz» dieser Generation, so wie sie es damals auch gewesen waren, die sich als Steigbügelhalter den Nationalsozialisten angedient hatten. Und die fühlen sich zu «Höherem berufen», wollen die Elite sein, welche die Weisheit quasi gepachtet haben.

Nein, rufe ich Euch entgegen! Ihr seid unsagbar blöd, und ich denke nicht, dass Ihr euch habt verleiten lassen! Ihr rennt, sehenden Auges, in ein Verderben – und Trotz ist nur eine billige Ausrede. Für die übernommenen Vorurteile, dem Jahrhunderte alten Judenhass, der einfach nicht verrecken und verschwinden will! Warum?

Dieser Beitrag wurde aktualisiert durch Thomas Morvay, vor 3 Wochen ago

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Der mit Sprache Bilder kreiiert Seit über 10 Jahren journalistisch tätig, vorwiegend zu Themen Israel und jüdisches Leben. Zuvor Korrespondent und Redaktioneller Mitarbeiter für die European News Agency, und seit geraumer Zeit als Blogger hier auf dieser Plattform. Davor war ich auch fleissig als Kommentator über die Plattform Disqus unterwegs, u.a. bei der Jerusalem Post oder die Neue Zürcher Zeitung. Inhaltlich mache ich keinen Hehl aus meiner Überzeugung, dass für mich die sog. Zwei-Staaten-Lösung - die ja wahl- und bezeichnenderweise auch schon ein Konzept für mehr als 2 Staaten war - eine in der westphälischen Ordnung (Henry Kissinger) verwurzelte und europazentrische Sichtweise - überholt resp. zumindest neu gedacht werden muss. Als Sprössling zweier Überlebenden der Schoa ist das, was man heutzutage Erinnerungskultur nennt, naturgemäss mein Thema. In diesen Zusammenhang gehört die Auffassung, dass man nach wie vor lieber tote Juden beweint, als dass man sich lebenden Juden - in Israel oder in der Diaspora - zuwendet, bekennt und mit ihnen solidarisiert. In dieser Hinsicht halte ich meinem Land, der Schweiz, vor, sich ihrer Verantwortung aus dem Zweiten Weltkrieg bis heute nicht gestellt zu haben. Da verkommt sogar die Diskussion über eine zentrale Gedenkstätte oder zu Raubkunst zur willkommenen Ablenkung vom Thema. Mitglied im Deutschen Verband der Pressejournalisten

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