Berlin – Schande hat ein neues Niveau erreicht

Aktivisten steigen aufs Brandenburger Tor, um gegen die "Komplizenschaft Deutschlands in Gaza" zu demonstrieren. (Lizenz: imago images; Copyright: Anadolu Agency)

Heute mittag gelangte eine unverschämte Bande von 6 Menschen, mithilfe einer Hebebühne, auf das Brandenburger Tor in Berlin und brachte dort eine riesigen Banner an: «Nie wieder Völkermord – Freiheit für Palästina». Hätte ich nicht eine Reihe von bewegten Bildern davon gesehen, ich hielte es für eine Fälschung. Aber: nach aktuellen Berichten sind zwei Männer und eine Frau als Täter und weitere 3 Helfershelfer, welche die Hebebühne auf den Platz des 18. März fuhren, festgenommen worden. Ebenfalls fragwürdig: es existieren anscheinend bewegte Bilder von der Festnahme. Die Botschaften der Vereinigten Staaten und Frankreichs sind gleich nebenan am Pariser Platz, das Denkmal für die ermordeten Juden Europas ist auch nur einen Steinwurf entfernt. Vom geschichtsträchtigen Hotel Adlon, aber auch vom auf der gegenüber liegenden Starbucks hat man freien Blick auf dieses Wahrzeichen.

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«Berlin» wird eine Menge zu erklären haben. Das ist ein kolossales und kollektives Versagen, und nach meiner besten Erinnerung bisher präzedenzlos. Die Tat ist absolut keine Bagatelle und bedarf bestimmt einiger Vorbereitungen und logistischer Schritte, die – so will man, vielleicht naiverweise, hoffen – auffallen müssten! Das Brandenburger Tor ist nicht nur ein Wahrzeichnen Berlins, es ist schlicht das Bild der Freiheit und der deutschen Wiedervereinigung. Auch wenn ich natürlich keine konkreten Kenntnisse über die Sicherheitsdispositive habe: es sprengt meine Vorstellungskraft, wie man es geschafft hat, am hellichten Tag, an diesem Ort, mit einer Hebebühne vorzufahren und allem Anschein nach in aller Seelenruhe da hochzusteigen und einen riesigen Banner zu entrollen und anzubringen!

Die Politikprominenz, aber auch die Palästina-Apologeten, sind selbstverständlich längst aktiv geworden: auf X (ehemals Twitter) lässt sich beispielsweise Wolfgang Kubicki, quasi der Grand-Seigneur der Freien Demokraten, bereits am Mittag vernehmen, der sich postwendend die – völlig sinnfremde – Frage gefallen lassen muss, wo er denn gewesen sei, als nach dem 7. Oktober 2023 die israelischen Farben aufs Brandenburger Tor projiziert wurden. Wer auf Twitter ist: es lohnt sich, die Antworten an diesen Fragesteller anzuschauen.

Um es deutlich zu sagen: so eine Aktion findet nicht im luftleeren Raum statt: zum Gesamtbild gehört eben auch, dass sich – nicht nur die aktuelle – deutsche Bundesregierung durchaus nicht mit Ruhm bekleckert hat – jedenfalls für ein Land, zu dessen Staatsraison seit Jahr und Tag die Sicherheit Israels gehört! Die heutige «Aktion» ist eben schon eine neue Stufe, die die bisherigen Universitäts-Besetzungen oder Fahnenmärsche um ein vielfaches übersteigt! Auch dazu wird sich Deutschland äussern müssen. Benjamin Jendro, ein Vertreter der Gewerkschaft der Polizei Berlin erklärte heute dazu in einer deutschen Nachrichtensendung:

Wir müssen ganz ehrlich sagen, wir haben ja da dabei auch jene Parolen, die gebrüllt werden, auch mitunter mit voller Rückendeckung aus dem Berliner Abgeordnetenhaus, im Einzelnen. Und hier haben wir auch Protagonisten, die auch heute wieder da waren, die erleben wir auch bei Versammlungen – und dann passiert nichts.

Mitschrift aus einer Stellungnahme in «Die Welt am Abend», des Senders Welt

Jendro spricht dabei konkret die Berliner Sektion der Partei «Die Linke» an, die bei der Bundestagswahl in der Hauptstadt immerhin stärkste Kraft wurde, und die sich schwer tut mit der Abgrenzung zu Israelhassern. Sie hält am kommenden Wochenende einen Parteitag ab, an der auch Anträge zur Abstimmung gelangen, die Unterstützung für Boykottbewegungen gegen Israel fordern, oder dass die Partei konsequent von einem Völkermord in Gaza spricht.

Dieser Beitrag wurde aktualisiert durch Thomas Morvay, vor 4 Wochen ago

About Thomas Morvay 368 Articles
Der mit Sprache Bilder kreiiert Seit über 10 Jahren journalistisch tätig, vorwiegend zu Themen Israel und jüdisches Leben. Zuvor Korrespondent und Redaktioneller Mitarbeiter für die European News Agency, und seit geraumer Zeit als Blogger hier auf dieser Plattform. Davor war ich auch fleissig als Kommentator über die Plattform Disqus unterwegs, u.a. bei der Jerusalem Post oder die Neue Zürcher Zeitung. Inhaltlich mache ich keinen Hehl aus meiner Überzeugung, dass für mich die sog. Zwei-Staaten-Lösung - die ja wahl- und bezeichnenderweise auch schon ein Konzept für mehr als 2 Staaten war - eine in der westphälischen Ordnung (Henry Kissinger) verwurzelte und europazentrische Sichtweise - überholt resp. zumindest neu gedacht werden muss. Als Sprössling zweier Überlebenden der Schoa ist das, was man heutzutage Erinnerungskultur nennt, naturgemäss mein Thema. In diesen Zusammenhang gehört die Auffassung, dass man nach wie vor lieber tote Juden beweint, als dass man sich lebenden Juden - in Israel oder in der Diaspora - zuwendet, bekennt und mit ihnen solidarisiert. In dieser Hinsicht halte ich meinem Land, der Schweiz, vor, sich ihrer Verantwortung aus dem Zweiten Weltkrieg bis heute nicht gestellt zu haben. Da verkommt sogar die Diskussion über eine zentrale Gedenkstätte oder zu Raubkunst zur willkommenen Ablenkung vom Thema. Mitglied im Deutschen Verband der Pressejournalisten

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