Beirut – was wirklich interessiert!

Das Bild zeigt die Zerstörung im Beiruter Hafen, am Tag nach der verheerenden Explosion vom Vortag. Die Suche nach Opfern läuft weiter auf Hochtouren, bisher sind über 100 Tote zu beklagen.Photo credit: Imago Images - Copyright: xMarwanxBouxHaidarx

Zwei Tage nach den verheerenden Explosionen im Hafen der libanesischen Hauptstadt, steigen noch immer die Opferzahlen, erst nach und nach wird das Ausmass der Katastrophe bekannt. Die libanesische Regierung verspricht umfassende Klärung, verfällt in Aktionismus, zugleich tut sie sich jedoch schwer mit der anrollenden internationalen Hilfe. Der vermeintliche “Elefant im Raum”, die schiitische Miliz Hisbollah, welche Teil der Regierung ist, schweigt beharrlich. fragen werden gestellt, doch selten konkret beantwortet, was Raum für Spekulationen eröffnet.

(Beirut) – Relativ zeitnah, nachdem die Bilder mit der markant rötlich braun gefärbten, aufsteigenden Rauchwolke und der Sekundärexplosion, welche grosse Teile des Beiruter Hafens in Schutt und Asche legte, um die Welt gingen, begannen die Mutmassungen: es scheint sich heraus zu kristallisieren, dass da eine riesige Menge an Ammonium-Nitrat in einem Lagerhaus explodiert war. Ammonium-Nitrat ist eine Substanz, welche die Basis ist für weltweit in Ausgangsprodukt, aus dem Sprengstoff hergestellt werden kann. Das Ammonium-Nitrat soll seit 2014 in einem Lagerhaus ohne speziellen Sicherheitsvorkehrungen gelagert worden sein. Die Fracht sei von einem aus Moldavien stammenden, havarierten Schiff, welches nach Mozambique unterwegs war, damals entladen worden sein. In der Folge war es unmöglich gewesen, die Ware an seinen rechtmässigen Besitzer weiterzleiten oder abholen zu lassen.

Es ist bekannt, dass Teile des Hafens von Beirut von der schiitischen Miliz Hisbollah kontrolliert werden. Israelische Experten machen seit Jahren darauf aufmerksam, dass Terroristen durch den Hafen Waren und Waffen in den Libanon schmuggeln. Auch Israels Botschafter bei den Vereinten Nationen Danny Danon sagte kürzlich, Israel habe nachverfolgen können, dass der Iran und seine Revolutionsgarden die zivilen maritimen Infrastrukturen, insbesondere im Hafen von Beirut, für ihre Zwecke missbraucht hätten.

Im Jahr 2015 haben britische Geheimdienst- und Sicherheitskräfte in London ein Warenlager der Hisbollah ausgehoben, wo Ammonium-Nitrat gelagert war. Dies enthüllte die britische Tageszeitung “The Telegraph” vor Jahresfrist. Die damalige Regierung hat bedauerlicherweise ihre Entdeckung geheim gehalten, um das kurze Zeit davor geschlossene Atom-Abkommen mit dem Iran nicht zu gefährden. Berichten zufolge war der Sprengstoff zum Einsatz in einer Reihe von geplanten, weltweiten Anschlägen der libanesischen Terrormiliz vorgesehen. Die Berichte verwiesen auf vereitelte Anschläge auf Zypern, Thailand oder New York.

Auf Zypern war im gleichen Jahr ein Versteck mit über 8 Tonnen Ammonium-Nitrat ausgehoben und ein libanesisch-knadischer Bürger festgenommen worden. Er soll ausgesagt haben, die Hisbollah hätte Anschläge auf israelische Ziele auf Zypern geplant und er habe den Auftrag gehabt, die Substanz zu diesem Zweck in Larnaca sicher zu bewachen. Ein Gericht verurteilte den Mann zu 6 Jahren Gefängnis.

Der Mossad, Israels Auslandsgeheimdienst, soll deutschen Ermittlern Hinweise geliefert haben, welche zur Entdeckung eines von Hisbollah genutzten Lagerhauses im südlichen Deutschland und die Aufdeckung von Strukturen zur Geldwäsche im grossen Stil führten. Dies wäre auch der Hauptgrund für den Beschluss der deutschen Bundesregierung im April/Mai 2020 gewesen, die Hisbollah insgesamt auf ihre Liste von Terrorverdächtigen zu setzen. Davon berichtete der israelische TV-Sender Kanal 12, wie eine entsprechende Meldung der Tageszeitung “Times of Israel” verkündete.

Die vom Iran unterstützte schiitische Terrormiliz hat im Libanon eine lange Geschichte. Die in den 1980er Jahren entstandene Gruppierung, welche seit langem eine einflussreiche Position in der libanesischen politischen Landschaft einnimmt, hat eine entsprechend lange Historie darin, wie sie in vielfältiger Weise Ziviilisten als Schutzschilder benutzt. Dazu gehört auch die Lagerung von Waffen und gefährlichen Substanzen in Umgebungen, die vornemlich zivile Zwecke besitzen: Moscheen, Krankenhäuser, usw. Sie tun dies insbesondere, um es der sie bekämpfenden israelischen Luftwaffe so schwer wie möglich zu machen.

Es ist diese langjährige Verwicklung der Hisbollah in terroristische Aktivitäten, und ihre beherrschende Stellung im politischen Leben des Libanon, welche den Mutmassungen Nahrung gibt, dass die Miliz auch direkt mit den Explosionen im Beiruter Hafen zu tun haben. Darauf hat auch die Internet-Plattform Bellingcat, eine Gruppe investigativer Spezialisten, bereits gestern hingewiesen. Bellingcat erlangte weltweite Aufmekrsamkeit mit ihren Untersuchungen zum Abschluss eines zivilen Jets über der Ukraine, die ca 300 Menschenleben gekostet hatte.

Es wäre zu hoffen, dass dieses tragische Ereignis endlich dazu führt, dass auch die EU sich durchringt, die Hisbollah in ihrer Gesamtheit als terroristische Organisation einzustufen. Doch bisher liess sich Brüssel nicht dazu bewegen, auch nicht im Nachgang zu den von Deutschland eingeschlagenen Weg. Die aktuellste Aufforderung an die EU erging von einer Reihe von EU-Parlamentariern und US-Kongressabgeordneten Ende Juli 2020. Als Beobachter kommt man nicht darum herum, einmal mehr den missratenen Iran-Deal und das riesige Volumen an Fördergeldern, welche in den Libanon aus Europa fliessen, ursächlich für dieses Zögern in Brüssel auszumachen. Wahrlich kein Ruhmesblatt für die Mandarine in den Korridoren der Macht!

Print Friendly, PDF & Email
Über Thomas Morvay 198 Artikel
Der mit Sprache Bilder kreiiert Seit über 10 Jahren journalistisch tätig, vorwiegend zu Themen Israel und jüdisches Leben. Als Korrespondent und Redaktioneller Mitarbeiter für die European News Agency, und seit geraumer Zeit auch als Blogger hier auf dieser Plattform. Davor war ich auch fleissig als Kommentator über die Plattform Disqus unterwegs, u.a. bei der Jerusalem Post oder die Neue Zürcher Zeitung. Mitglied im Deutschen Verband der Pressejournalisten

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*