Auf dem Tempelberg an Tisha B’Av

Tisha B’Av gilt als der traurigste Tag in der jüdischen Geschichte – steht er doch, der Überlieferung nach u.a. – für die Zerstörung des Ersten und des Zweiten Tempels. Der religiös-fundamentalistische israelische Politiker Itamar Ben-Gvir, dem seine politischen Gegner vorhalten, das Schüren von Emotionen zur Kunstform entwickelt zu haben – was unserer Einschätzung nach der Hauptgrund dafür ist, dass Premierminister Benjamin Netanjahu ihn noch in der Regierungskoalition toleriert – bestieg am heutigen Tag den Tempelberg, wie er das mehrfach zuvor getan hat, um den Status Quo für überholt zu deklarieren.

Netanjahus Büro hat sich bisher dazu nicht geäussert. Es überliess dem Aussenministerium, den Besuch scharf zu verurteilen: in der Jerusalem Post wird aus einer Stellungnahme zitiert, der Besuch sei

… [a] flagrant violation of the prevailing historical and legal status quo at the Noble Sanctuary, a desecration of the sanctity of the mosque, a condemned escalation, a barbaric act, and unacceptable provocation.

Auch andere Politiker äusserten sich kritsch, wie beispielsweise der Abgeordnete der Demokraten Gilad Kariv:

… direct responsibility lies with Netanyahu, who, on this issue as well, will not be able to claim that he didn’t know or that he received no warnings

Quelle: zitiert in der Jerusalem Post, vom 23. Juli 2026

Als Demokraten wird die aus dem Zusammmenschluss der Parteien Labor und Meretz (seit Juli 2024) entstandene politische Partei bezeichnet, die von Yair Golan angeführt wird. Kariv spricht auch von der «zionistischen Linken». Wie erinnerlich, verfehlte bei den letzten Wahlen Meretz die Hürde von 3.25%, während die vormals staatstragende Arbeitspartei mit 3.69% gerade noch an der Versenkung im politischen Nirvana vorbeischrammte.

Dass wir hier nicht missverstanden werden: wir beklagen hier nicht die evidente Bedeutungslosigleit der israelischen Linken! Israel bleibt eine leb- und streithafte Demokratie, und das ist auch gut so. Es darf nur nicht wieder soweit kommen, wie in den 1940er Jahren, als die Zerstrittenheit beinahe zum Untergang des Jischuw geführt hatte. Dann behielten all jene Recht die sagen, Israel wäre aus der Asche der 6 Millionen hervorgegangen. Denen entgegnen wir: jüdische Forscher und Denker haben die Welt bereichert, und damit das weiterhin so bleiben kann, müssen wir für Israel einstehen!

Dieser Beitrag wurde aktualisiert durch Thomas Morvay, vor 2 Wochen ago

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Der mit Sprache Bilder kreiiert Seit über 10 Jahren journalistisch tätig, vorwiegend zu Themen Israel und jüdisches Leben. Zuvor Korrespondent und Redaktioneller Mitarbeiter für die European News Agency, und seit geraumer Zeit als Blogger hier auf dieser Plattform. Davor war ich auch fleissig als Kommentator über die Plattform Disqus unterwegs, u.a. bei der Jerusalem Post oder die Neue Zürcher Zeitung. Inhaltlich mache ich keinen Hehl aus meiner Überzeugung, dass für mich die sog. Zwei-Staaten-Lösung - die ja wahl- und bezeichnenderweise auch schon ein Konzept für mehr als 2 Staaten war - eine in der westphälischen Ordnung (Henry Kissinger) verwurzelte und europazentrische Sichtweise - überholt resp. zumindest neu gedacht werden muss. Als Sprössling zweier Überlebenden der Schoa ist das, was man heutzutage Erinnerungskultur nennt, naturgemäss mein Thema. In diesen Zusammenhang gehört die Auffassung, dass man nach wie vor lieber tote Juden beweint, als dass man sich lebenden Juden - in Israel oder in der Diaspora - zuwendet, bekennt und mit ihnen solidarisiert. In dieser Hinsicht halte ich meinem Land, der Schweiz, vor, sich ihrer Verantwortung aus dem Zweiten Weltkrieg bis heute nicht gestellt zu haben. Da verkommt sogar die Diskussion über eine zentrale Gedenkstätte oder zu Raubkunst zur willkommenen Ablenkung vom Thema. Mitglied im Deutschen Verband der Pressejournalisten

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